Zwischen Einzelbüro und Großraumbüro: Team-Räume als goldene Mitte

Corinna
17.10.2018 2 2:38 min

Obwohl inzwischen jede Menge Studien belegen, dass Großraumbüros eine schlechte Idee sind, lese ich oft, von neu eingeweihten Großraum-Gebäuden. Und dann wundere ich mich immer.

Großraumbüros sparen Geld

Bei meiner letzter Arbeitstelle saß ich auch in einem Großraumbüro. Damals hatte ich die Chance, den Niederlassungsleiter nach den Gründen für diese Entscheidung zu fragen: Geld. Flure kosten Geld. Großraumbüros sind wesentlich günstiger.

Ich fand es sehr ironisch, dass da jetzt 40 hoch bezahlte Leute in einem Großraumbüro hocken, in dem sie sich nicht mehr konzentrieren können und viel weniger schaffen. Aber Hauptsache, man hat ein paar Tausend Euro “gespart”. Na, immerhin war der Niederlassungsleiter ehrlich.

Gesetz der Nähe

Ein besser klingender Grund, der oft fürs Großraumbüro genannt wird: Die Mitarbeiter sollen mehr zusammenarbeiten. Das klingt erstmal gut. Immerhin gibt es in der Psychologie das „Law of Propinquity“, also das Gesetz der Nähe: Je näher ich mit anderen zusammensitze oder zusammenlebe, desto mehr habe ich mit ihnen zu tun.

Leider sind Großraumbüros oft so unruhig, dass viele mit Kopfhörer da sitzen. Dann greift der Nähe-Vorteil nicht mehr so richtig, weil Leute „Sprich mich nicht an“ signalisieren. Und richtig effektiv arbeiten können auch nur wenige.

Anders als Joel Spolsky halten wir Einzelbüros allerdings auch nicht für die Lösung. Nähe ist schon sinnvoll.

Der Team-Raum als goldene Mitte

Glücklicherweise gibt es immer mehr als zwei Alternativen. Auch wenn man selten über sie liest, haben wir unsere goldene Mitte gefunden: Der Team-Raum.

Ein Team-Raum ist genau das, was man dem Namen nach erwartet: Bei uns hat jedes Team einen Raum. Ein Team besteht so aus drei bis 10 Leuten. Dadurch bleibt die Geräuschkulisse erträglich. Wichtiger noch, alles was im Raum gesprochen wird, ist tendenziell für mich relevant, denn es betrifft ja mein Team und die Aufgabe, an der wir gemeinsam arbeiten.

Darum funktionieren Team-Räume für uns

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Diese “1 Team = 1 Raum”-Lösung hat für uns viele Vorteile:

  • Alle an der Aufgabe Beteiligten sitzen zusammen und Missverständnisse fallen sofort auf
  • Wir können unseren eigenen Raum frei gestalten und uns ideale Arbeitsbedingungen schaffen
  • Wir können nach Herzenslust auf Whiteboards visualisieren. Arbeitsfortschritte, Schema-Zeichnungen etc. hängen wir alles analog im Team-Raum auf

Kurz, man ist ganz nah am eigenen Team und ungestört von anderen Teams – die goldene Mitte eben. Wie sehen die Arbeitsplätze in Ihrem Büro aus? Womit haben Sie die besten (oder schlechte) Erfahrungen gemacht?

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2 Kommentare


Hannes:

Vielen Dank für diesen Artikel, Corinna!

Ich bin gestern über einen interessanten Artikel gestoßen, den ich hier mit den Lesern teilen wollte: „Why You Can Focus in a Coffee Shop but Not in Your Open Office“ (https://hbr.org/2017/10/why-you-can-focus-in-a-coffee-shop-but-not-in-your-open-office)

Die Essenz ist: „It’s not about freedom from noise, but about freedom from interruption“ und dass das Problem in einem Großraumbüro die potenziell für einen relevanten Gespräche sind, sodass man mit halbem Ohr doch immer mit zuhört.

Spannend, dass ihr mit einem Teamraum einen expliziten Raum schafft, wo ziemlich sicher die Gespräche um mich herum für mich relevant sind. Die ganzen Vorteile, die du im Artikel genannt hast, kann ich nachvollziehen. Aber irgendwie muss man ja doch auch mal für sich arbeiten können. Wie löst ihr diese konzentrierte „Allein-sein“-Arbeitsphasen?

antworten

    Corinna:

    Oh, interessante Ergänzung. Hm, oft wird ja eh gepairt und nicht allein gearbeitet. Wenn man wirklich mal absolute Ruhe braucht, funktioniert für manche die Kopfhörer-Lösung. Dann gibt es 2-3 geeignete kleine und eher abgelegene Räume. Bei denen versucht man es dann. Draussen hängt ein Display auf dem man den nächsten Termin sieht. Man weiss also, wie lange man nicht verscheucht wird. Im Sommer weichen auch einige auf den Hof aus. Dann kann man in Ruhe im Grünen werkeln :) Wie gut das funktioniert, kommt glaub ich sehr auf’s Individuum an.

    antworten

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